Heute ist Neujahr- ein langsamer Tag ohne Muss. Ein Tag, an dem man immer ein bisschen voraus und zurück denkt. Was war, was wird sein?
Ein neuer Abschied am Ende des alten Jahres mit Dir, dieses Mal am Bahnhof statt am Flughafen, sehr früh statt sehr spät. Ich gewöhne mich an das Verabschieden. Es ist auch immer mit der schönen Kehrseite des Willkommen Heißens verbunden. So schön war es, Dich mal wieder in die Arme nehmen zu können: eine erwachsene, junge Frau.
Gewöhnt habe ich mich immer noch nicht so richtig an die Situation, dass dein Lebensmittelpunkt nicht mehr zu Hause liegt und dass ich nun eher zur Beobachterin am Spielfeld geworden bin. Du kennst mich: ich rufe trotzdem noch häufig (laut und stetig) aufs Spielfeld und verstehe manchmal (häufig) nicht, warum Du nicht hörst beziehungsweise schon hörst, aber nicht reagierst, aber das Spiel auf dem Feld folgt Deinen Regeln. Es ist Dein Leben. Du entscheidest, wie es läuft. Im besten Fall kommst Du mal an den Rand und fragst nach Tipps. Ich muss darauf vertrauen, dass Du die Spielregeln kennst und befolgst.
Das hört sich jetzt metaphorisch einengender an, als es gemeint ist. Hier kommt mein Vergleich an seine Grenzen. Eigentlich möchte ich nur sagen: mir fällt es wirklich richtig schwer, nicht mehr die Spielregeln mitzubestimmen, Dir zu vertrauen, dass du ohne mein Zutun Deinen Weg gehen wirst und loszulassen. Dein “Los”als Erstgeborene und Tochter. Deine Brüder werden wahrscheinlich nicht mehr eine so wild gestikulierende, penetrant rufende Mutter am Spielfeldrand haben wie Du. Sieh mir das nach. Es ist nur aus Sorge (wenn auch unbegründet, ich weiß) um Dich.
Verliere deine Ziele nicht aus den Augen, auch wenn es am Anfang unglaublich schwer erscheint, die erst einmal herauszukristallisieren.
Abschied von Dir und ein langsamer, stetigerAbschied von meinem Vater, von meinen Eltern als Paar, von meinem Zuhause, zu dem ich zurückkehren konnte. Die Demenz von Opa schreitet voran, und es ist sehr schmerzlich, für mich zu beobachten, wie sich sein Geist langsam verliert und der Verlust zu großen Ängsten bei meinen beiden Elternteilen führt.
Dazu in einem separaten Eintrag mehr. Dem will ich mich am Neujahr nicht aussetzen, die emotionale Achterbahnfahrt zwischen den Jahren war schon sehr groß und kräftezehrend für mich.
Jetzt meine liebe Tochter wünsche ich Dir ein schönes neues Jahr 2026 mit viel neuen Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen, die dich bereichern und weiterbringen. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr auf das nächste Wiedersehen.
In Liebe,
Deine Mama.
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